Die europäischen Anteilsmärkte stehen unter Druck. Der kommt vor allem vonseiten der Politik, sagt Eduard Baitinger, Leiter Asset Allocation bei der Feri-Gruppe. So laufen die Brexit-Verhandlungen weiter schleppend, die Gefahr eines "No Deal" bleibt hoch. Beide Seiten scheinen mit dem drastischsten Szenario zu spielen, um der Gegenseite Zugeständnisse abzuringen, urteilt Baitinger. "Die Gefahr hierbei ist jedoch, dass man sich verspekuliert und ein unkontrollierter EU-Austritt tatsächlich Realität wird, mit unangenehmen Folgen für alle Beteiligten."

Auch für Italien gibt es keine Entwarnung. Zwar hat die Regierung in Rom zuletzt die Absicht bekundet, sich beim Staatshaushalt für 2019 an die Verschuldungsregeln der EU zu halten. Spieltheoretisch betrachtet haben die regierenden Populisten aber durchaus einen Anreiz, eine neue Krise in der Währungsunion zu provozieren, sagt der Feri-Experte. Anschließend könnten sie ihren Wählern nämlich einen Austritt aus der EU als alternativlos verkaufen. "In diesem Szenario hätten die Populisten ihr eigentliches Ziel erreicht", so Baitinger.

Alle auf Europa
Insgesamt bleibt der Ausblick für die europäischen Finanzmärkte wegen der vielen Gefahrenherde durchwachsen. "Investoren sollten darauf mit einer selektiveren Asset Allocation reagieren", rät Baitinger. Anderswo sieht es kaum besser aus: Der Handelskonflikt zwischen China und den USA droht nach Einschätzung des Feri-Experten in einen handfesten Handelskrieg umzuschlagen. "Vor allem Europa, das abhängig von einem intakten Welthandel ist, wäre davon stark betroffen", sagt er.

Auch die Krise in der Türkei ist noch nicht vom Tisch, sondern wird dieser Tage verschleppt statt gelöst. Das könnte in Zukunft noch drastischere Rettungsmaßnahmen nötig machen. "Weil Europa – insbesondere Spanien – durch das Bankensystem und durch Handelsbeziehungen eng mit den Schwellenländern verwoben ist, sind die Währungskrisen in der Türkei und anderswo ein weiterer Faktor für die relative Schwäche der Aktienmärkte in Europa", so Baitinger. (fp)